Ötzi-Dorf und Greifvogelpark

Geschichte

Geschichte

Der Mann aus dem Eis und das Ötzi-Dorf

Im Jahr 2000 eröffnete das Ötzi-Dorf, knapp 10 Jahre nach dem kulturgeschichtlich äußerst interessanten Fund von „Ötzi – dem Mann aus dem Eis“ am Tisenjoch (Similaun). Seither ist der archäologische Freilichtpark jährlich erweitert worden. Das ursprüngliche Gelände von ca. 4.000 m² wurde auf ca. 12.000 m² ausgedehnt. Jährlich begeistert das Ötzi-Dorf rund 50.000 BesucherInnen jeder Altersklasse und ist somit eines der beliebtesten Ausflugsziele im Ötztal.

Bis zum Zeitpunkt des Fundes des berühmten Eismannes im Jahr 1991 war das Ötztal archäologisch gesehen völlig unerschlossen. In der Folge intensivierte man die Forschungen und so weiß man heute, dass der früheste Aufenthalt des Menschen bereits ab 8000 v. Chr. nachgewiesen ist.

Die hinterlassenen Spuren der urgeschichtlichen Bewohner bleiben dem Auge der Allgemeinheit sehr oft verborgen, zu spärlich ist meist der archäologische Befund. Durch Umsetzung des archäologischen Kontextes in Form von entsprechenden Rekonstruktionen, Ergänzungen und Modellen kann der Alltag aus vorgeschichtlicher Zeit sichtbar und gegenständlich vermittelt werden. In diesem Sinne entspricht der archäologische Freilichtpark „Ötzi-Dorf“ dem museumspädagogischen Trend, Wissenschaft auf verständliche Weise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Ötzi – Der Mann aus dem Eis“

Am 19. September 1991 stießen die beiden deutschen Bergwanderer Erika und Helmut Simon aus Nürnberg durch Zufall auf eine Gletschermumie beim 3.208 m hohen Tisenjoch in den Ötztaler Alpen. Die Fundstelle ist eine Felsmulde und war von Gletschereis bedeckt, wodurch der Leichnam über Jahrtausende bestens geschützt war. Erst durch den Rückzug des Gletschers und starkes Abtauen im ungewöhnlich heißen Sommer des Jahres 1991 wurde die Mumie freigelegt.

Die kulturelle Sensation

4 Tage nach dem Fund wurde die Eisleiche durch das Institut für Gerichtsmedizin der Universität Innsbruck geborgen. Bald konnte ein Team von Wissenschaftlern die kulturgeschichtliche Sensation bestätigen: Bei der Mumie handelt es sich um eine rund 5.250 Jahre alte Leiche, einen Mann aus der späten Jungsteinzeit. Schnell war aufgrund des Fundortes der Spitzname „Ötzi“ für die Gletschermumie in aller Munde.

Der ca. 1,54 m große und 13 kg schwere, gefriergetrocknete Leichnam ist nahezu unversehrt und vollständig. Durch zahlreiche Untersuchungen konnten viele Details festgestellt werden: Das Sterbealter war ca. 45 – 46 Jahre (Schwankungsbreite: +/- 5 Jahre). Die linke Schulter war durch einen Pfeilschuss verletzt, ein Schädel-Hirn-Trauma wurde nachgewiesen. Über eine Zahnanalyse konnte das Eisacktal in Südtirol als wahrscheinlicher Herkunftsort des Mannes angegeben werden. Er hatte die Blutgruppe 0 und braune Augen.

Die ältesten Tätowierungen der Welt

An der Mumie sind zahlreiche, blauschwarze Tätowierungen erhalten. Dabei wurde Kohlenstaub in kleine, punktförmige Wunden eingerieben. Der Mann aus dem Eis trug 61 Einzeltätowierungen. Derzeit gelten diese als die weltweit ältesten Tätowierungen.

Letzte Tage und Tod

Durch eine Analyse des Darminhaltes konnten die letzten Tage im Leben des Gletschermannes rekonstruiert werden. Verschiedene Pollen deuten darauf hin, dass Ötzi vor seinem Tod ausgedehnte Strecken zwischen verschiedenen Vegetationszonen zurücklegte. Schnittverletzungen an Arm und Händen zeugen davon, dass er in einen Nahkampf verwickelt war. Rund eine Stunde vor seinem Tod legte er eine Rast ein und nahm ein ausgiebiges Mahl zu sich. Über die genaue Todesursache herrscht noch keine Einigkeit, als sicher gilt jedoch, dass er eine Wunde durch einen Pfeil im Bereich der Schulter hatte sowie ein Schädel-Hirn-Trauma.

Kleidung und Ausrüstung

Neben der Leiche wurden Bekleidungsreste sowie zahlreiche Alltags- und Gebrauchsgegenstände gefunden. Seine Jacke und Beinlinge bestanden aus Ziegen- und Schafhaut bzw. Ziegenfell, sein Gürtel war aus Kalbsleder, der bis zu den Knien reichende Lendenschurz bestand aus Schaffell. Seine Schuhe waren aus Rindsleder und Bärenfell, an der Unterseite der Sohle war ein quer laufender und sich überkreuzender Lederstreifen angebracht, der damit die älteste bekannte Profilsohle eines Schuhs darstellt. Der Innenschuh bestand aus Grasschnüren. Trockenes Süßgras diente als Polster und Isolierschicht. Der Schuh war speziell auf die Anforderungen im Hochgebirge angepasst. Als Kopfbedeckung trug Ötzi eine Mütze aus dem Fell eines Braunbären.

Von besonderer Bedeutung ist auch das mitgeführte Kupferbeil, das vollständig erhalten ist. Die Klinge besteht zu 99 % aus Kupfer, das vermutlich aus südtoskanischem Erz gewonnen wurde. Ötzis Beil ist das einzige erhaltene Beil aus dieser Epoche, das geschäftet erhalten ist. Damit war es auch möglich, Bäume zu fällen.

Das Beil diente aber auch dazu, den noch nicht vollständig fertig gestellten Bogen aus Eibenholz zu bearbeiten. Es wurden auch 14 Pfeile aus Holz des Wolligen Schneeballs gefunden. An zwei Pfeilschäften sind noch die Pfeilspitzen aus Feuerstein erhalten. Diese wurden mit Pflanzenfasern und Birkenpech befestigt und geklebt. Zu Ötzis „Ausrüstung“ gehörte zudem ein Dolch mit einer Feuersteinklinge und einem Griff aus Eschenholz.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Ötzis Gesundheitszustand

Neuere medizinische Untersuchungen brachten an den Tag, dass der Mann im Eis pathologisch schwer angeschlagen war. Neben akuten Gelenkschmerzen, litt er an einer Wurmkrankheit im Darm und drei Gallensteine verursachten möglicherweise Koliken. Ein Darmbakterium in der Magenschleimhaut wirkte sich wahrscheinlich unangenehm aus. Überraschend war der Befund deutlich erhöhter Blutfette. Gefäßverengungen im Bereich der Halsschlagadern und starke Insuffizienz der Koronaren war die Folge. Er war Schlaganfall und Infarkt gefährdet.

Genetische Einblicke

Mittels DNA-Analysen konnte Ötzis Genom ermittelt werden. Daraus war ableitbar, dass seine mütterlichen Vorfahren aus dem alpinen Raum stammten und mittlerweile ausgestorben sind, während seine Abstammungslinie väterlicherseits im vorderasiatischen Raum seine Wurzeln hatte und heute noch im mitteleuropäischen Raum nachweisbar ist.